"goldene Äpfel in leeren Händen" in: Märchenspiegel, Zeitschrift für internationale Märchenforschung und Märchenpflege
Herausgeber: Märchenstiftung Walter Kahn, Ausgabe 2/04, Mai 2004, "Spiegelbilder"

 


Märchenerzählerin Monika Boguslawski trägt ihre Märchen nicht nur vor, sie lebt sie in all ihren schönen und bösen Varianten. Beim Erzählen in der Barockscheune unterstützte sie Rainer Schwander mit weichen Klängen der irischen Harfe. Foto: Pfannes

Goldene Äpfel in leeren Händen   Zauberhafter Erzählabend mit Märchenerzählerin Monika Boguslawski in Barockscheune-
  Hackbrett, Harfe und Gemshorn verbinden die vorgetragenen Märchen "Der Zauberer Zar"
  Volkach (fp). Wenn der menschlichen Phantasie Flügel verliehen werden sollen, dann ist an der Zeit, einmal innezuhalten, sich aus der alltäglichen Gedankenwelt herausholen und von Märchen beschenken zu lassen. "Kommt und seht, hört und wisst, was unser ist und ich euch gebe. Seht ihr in meinen leeren Händen goldene Äpfel?", rief Märchenerzählerin Monika Boguslawski am Donnerstagabend in die Runde junger und älterer Zuhörer in der Barockscheune und warf ihnen imaginäre Goldäpfel zu. "Ich werfe sie euch zu, für jeden einen und wenn ihr alles gesehen und gehört habt, dann werft sie mir zurück, die goldenen Äpfel. In euren Seelenaugen werde ich sie wiederfinden, fangen und halten", begann die Märchenerzählerin den Erzählabend und warf ihr letztes imaginäres goldenes Kernobst Rainer Schwander zu, der es auffing und zwischen den einzelnen Märchen die Stimmungen der Märchen aufgriff und sie miteinander mit ausgefallenen Instrumenten wie Hackbrett, irische Harfe und Gemshorn verband. Der Abend, zu dem die MärchenStiftung Walter Kahn eingeladen hatte, stand unter dem Motto "Märchen und Musik".
  Schon einige Minuten vor Beginn der beiden Märchenstunden nahm Monika Boguslawski auf ihrem Hocker Platz, daneben eine geheimnisvolle Tücherdecke in vielen Farben, bedeckt mit flackernden Kerzen, mystischen, real gewachsenen Steinen aus dem Meer, Blumen und allerlei Gegenständen, die mit den Märchen zu tun haben. Sie beobach tete die Augen der Menschen im Publikum ganz genau und nahm innerlich Kontakt auf. Schon beim freien Vortrag ihres ersten Märchens "DerZauberer Zar" aus Russland wurde deutlich: Monika Boguslawski erzählt ihre Märchen nicht nur, sie lebt sie als Opfer und als Täter, als König und als Untertan, als Unterlegener und als Siegreicher. Nicht Hast und Unruhe sollen den Menschen beherrschen, lautet ihre Devise. Vielmehr sollen die Dinge den Alltag bestimmen, über die nachzudenken und an denen innehalten sich lohnt, um einmal aufzuatmen und sich vom Märchen beschenken zu lassen.
  In freier Erzählweise ließ die diplomierte Märchenerzählerin der Europäischen Märchengesellschaft das chinesische Märchen "Die zerbrochene Vase", in dem es vor allem um Alter und Weisheit geht, in ebenso einfühlsamer Weise folgen. Das Märchen der Gebrüder Grimm "Sommer und Wintergarten" präsentierte sie als deutsche Version des französischen Märchens "Die Schöne und das Biest. Nach der Pause folgte das Märchen "Der Baum der Wundergaben" aus Siebenbürgen, in dem sich ein junger Mann auf seinen Lebensweg begibt, viele Hürden überwinden muss und schließlich eine Prinzessin für sich begeistern kann. Den Abschluss bildete das norwegische Märchen "Die Zottelhaube". Es handelt von einer Königstochter, die gleich nach der Geburt von ihrer Mutter abgelehnt wird. Das Mädchen gibt nicht auf, kämpft und am Ende ist sie das, was ihre Bestimmung von Anfang an war: "Sie wird Königin".

Ausschnitte eines Artikels von Peter Pfannes in der Tageszeitung "Die Kitzinger" vom 13.04.2004.


www.maerchen-stiftung.de

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