Immaterielles Kulturerbe     Europäische Märchengesellschaft

Pressemitteilung
Europäische Märchengesellschaft e.V.
Bentlager Weg 130
48432 Rheine
www.maerchen-emg.de

Rheine, 26.05.2017

Das "Märchenerzählen" wird immaterielles Kulturerbe

Das Märchenerzählen wurde durch das Expertenkomitee "Immaterielles Kulturerbe" der Deutschen UNESCO-Kommission in das "Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes" aufgenommen. Am 29. Mai werden die Neuaufnahmen in einer Auszeichnungsveranstaltung durch die Deutsche UNESCO-Kommission geehrt.

Das Expertenkomitee würdigte in seiner Begründung das Märchenerzählen als identitätsstiftende kulturelle Praxis, die durch die vielen Aktivitäten der Europäischen Märchengesellschaft e.V. (EMG) "erfolgreich tradiert und lebendig gehalten wird". Besonders hervorgehoben wurde die "sozialkulturelle Komponente sowie die internationale und interkulturelle Vielfalt des Märchenerzählens".

Vollständiger Text hier nachzulesen: www.maerchen-emg.de/images/A_NW_MAERCHEN.pdf

Die Europäische Märchengesellschaft e.V. (EMG) als Antragstellerin wurde unterstützt durch zwei Expertenvoten der Volkskundlerinnen Prof. Dr. Sabine Wienker-Piepho (Jena) und Dr. Kathrin Pöge-Alder (Halle).

Sabine Lutkat, Präsidentin der EMG, kommentiert: "Es freut mich sehr, dass das Märchenerzählen in die bundesweite Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Dadurch wird nicht nur die Tätigkeit und Fähigkeit des Erzählens an sich gewürdigt, sondern ausdrücklich das Erzählen von Märchen und anderer tradierter Geschichten. Es geht also nicht um das Erzählen individuell geprägter Geschichten, sondern um über mehrere Generationen hinweg überlieferte Stoffe, die viel mehr Allgemeingültiges bewahren."

Dr. Angelika B. Hirsch, Vizepräsidentin der EMG und deren UNESCO-Beauftragte, erklärt: "Märchen erzählen von Grundthemen jedes Menschen - z.B. dem Erwachsenwerden. Deshalb sind die Märchen der Völker einander ähnlich. Weil sich die Kulturen unterscheiden, unterscheidet sich jedoch das "Gewand", in dem von elementaren Themen erzählt wird. Diese Unterschiede bereichern und helfen, durch eine fremde Brille das Eigene zu sehen, aber niemals schaffen sie Gräben. Märchen haben in jeder Hinsicht einen verbindenden Charakter: Lebendiges Erzählen lässt Menschen im Prozess des Hörens auf besondere Weise Gemeinschaft erleben. Und mit Leichtigkeit werden beim Erzählen tradierter Stoffe Brücken zwischen Kulturen, Religionen, Generationen, Vergangenheit und Gegenwart geschlagen. Märchen und das Märchenerzählen gehören zu unserem kulturellen Erbe, sie sind Teil unserer kulturellen DNA."

Ausführliche Passagen unseres Antrags: http://www.maerchen-emg.de/images/EMG-UNESCO- Mitteilung.pdf

Die EMG wurde vor 60 Jahren im Kloster Bentlage/ Rheine gegründet. Seither widmet sie sich der Erforschung und Pflege des Märchens. Derzeit hat sie gut 2.000 Mitglieder aus allen Sparten: Wissenschaft, Pädagogik, Psychologie, MärchenliebhaberInnen und ErzählerInnen. Jährlich werden ca. 50 Seminare und Tagungen angeboten - darunter 2017 ein viertägiger Kongress im Rahmen der Internationalen Gartenschau in Berlin-Marzahn. Allein 15-20 Seminare dienen jährlich dem Erlernen des Märchenerzählens! 120 geprüfte ErzählerInnen der EMG erzählen in ganz Deutschland in allen denkbaren Kontexten Märchen.

Mit der Anerkennung des Märchenerzählens als immaterielles Kulturerbe wird zugleich auch deutlich, dass das Märchenerzählen als Kulturtechnik des besonderen Schutzes bedarf. Die EMG ist sich des Spannungsfelds zwischen Tradition und der künstlerischen Freiheit der ErzählerInnen bewusst. Sie wird ihrer Verantwortung für die Förderung und Pflege des Märchenerzählens weiterhin mit großem Engagement nachkommen.

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