www.Jugend-kloster.de von November 2007

Märchenabend am Kamin

Die Helfer trugen noch eifrig Stühle aus dem Jugendhaus herbei. Zum Glück waren schon einige der Teilnehmer des am Tage darauf folgenden Kursteams anwesend, die kräftig mit anpackten. Dabei waren die ersten Besucher schon über eine halbe Stunde früher gekommen, um die begehrten Sitzplätze zu ergattern.

Das Kaminzimmer des Klosters war wie immer leicht abgedunkelt und die Feuerstelle knisterte gemütlich. Die gestaltete Mitte davor gab erste Hinweise auf die Thematiken der Märchen des Abends. Musikalisch umrahmt wurden die Geschichten durch die Harfe, gespielt von Fr. Ramona Schmirler, sowie ein Gitarrenstück von P. Andreas Krahnen.

Dieser leitete dann den Abend ein und blickte kurz vor seinem Abschied zum Jahresende mit Dank auf die vor zehn Jahren begonnene Tradition der Märchenabende zurück. Nach seinem Lied „Diem et noctem“ begann die Erzählerin Fr. Monika Boguslawski mit dem Märchen vom Froschkönig aus der Reihe der Grimmschen Märchen. Nur auf den ersten Blick sei dies eine Kindergeschichte, auf den zweiten und dritten genauso eine Beziehungs- bzw. Erlösungsgeschichte. Es folgte ein chinesisches Märchen, das P. Andreas sich zum Abschied gewünscht hatte. Bald wurde auch klar, was den passionierten Musiker an dieser Geschichte faszinierte: Es war hier ein Spielmann, der sowohl den Kaufmann, den Krieger wie den geschickten Staatsmann um die Gunst der Kaiserstochter ausstach. Das Märchen um die blaue Rose der Thronfolgerin ließ manche Besucher schmunzeln bei der Erkenntnis, dass Liebe manchmal sogar farbenblind macht.

Die weise Erzählung über den König von Kaukant und seine zerbrochene wertvolle Vase setzte den Reigen fort. Der Töpfer Usman, der durch sein Geschick das Leben seiner Kollegen rettete, verband sich hier mit einer tiefen Bescheidenheit des Lebens und der Zufriedenheit in der Arbeit. So konnte er vollkommen uneitel sagen, dass kein Geheimnis in seiner Kunst bestände außer, dass er, seit er ein Kind war, seine Arbeit geliebt habe. Seine Prophezeiung tat den Besuchern noch heute gut: „Solange Du Deine Arbeit liebst, weiß ich, dass alles Dir gelingen wird.“ Nach der Geschichte des weisen afghanischen Königs, dem es gelang, seinen Mitbürgen aufs Maul zu schauen, schloss der Abend mit dem türkischen Märchen vom Töpfchen, das seine arme Besitzerin mit allem Notwendigen versorgte: vom Essen über den Schmuck bis hin zu ihrem Märchenprinzen.

Am Ende des Abends hatte Fr. Monika Boguslawski ihre anfängliche Ankündigung, sie wolle der Phantasie ihrer Zuhörer Flügel verleihen, mehr als eingelöst. Im Anschluss bot sich dann noch die Gelegenheit, bei einer Tasse Tee den Abend ausklingen zu lassen. Nicht wenige der Besucher nutzten jedoch auch die Gelegenheit, die frisch renovierte Klosterkirche zu besichtigen und den Tag dort mit einigen Minuten in Stille zu beenden.

 


Dezember 2007  

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