WAZ Bottrop vom 25.9.2007

Einfach nur zuhören ohne zu interpretieren


Balladen standen im Mittelpunkt des Kamin-Abends. ©Foto: WAZ
Kirchhellen • " Balladen-Abend am Kamin" lockte auch ohne Feuer rund 90 Zuhörer ins Jugendkloster

Auch ohne Kaminfeuer - darauf hatte man am Sonntag aufgrund der sommerlichen Außentemperaturen dann doch verzichten können - war der Kaminabend im Jugendkloster ein voller Erfolg. Rund 90 Zuhörer lauschten gebannt den sieben Rezitatoren um Märchenerzählerin Monika Boguslawski. Die Gruppe hatte eingeladen zu einem " Balladen-Abend am Kamin".

Einer Einladung, der viele Besucher mit Neugier aber auch mit einer gewissen Skepsis gefolgt waren. So auch bei Lukas Wollny. Der 20-Jährige war einer der jüngsten Zuhörer: "Ich war neugierig, weil ich einfach mal hören wollte, wie Balladen klingen, wenn sie mit der richtigen Betonung und Melodie vorgetragen werden. Außerdem genieße ich es, einfach nur zuzuhören und nicht wie in der Schule danach interpretieren zu müssen."

Die Schule - für den Großteil der Besucher ist sie untrennbar mit Balladen verbunden. "Natürlich kenne ich Balladen noch aus meiner Schulzeit, aber es ist etwas ganz anderes, ob ich sie selbst lese, oder ob sie professionell vorgetragen werden", urteilte auch Marielies Schumacher. Gerade bei den älteren Zuhörern lösten die ausgewählten Texte Erinnerungen aus. Für Ulrich Xanten und Norbert Buttler, zwei der Rezitatoren, ein großer Erfolg, hatten sie sich doch über ein Jahr auf diesen Abend vorbereitet. "Es geht ja darum, die Balladen eben nicht einfach nur vorzulesen. Das könnte wahrscheinlich jeder. Wir haben uns aber intensiv mit jeder Ballade auseinandergesetzt, sind in die Geschichte eingetaucht", so Xanten. Das Geheimnis des Balladenlesers? "Man muss im Moment des Vortrags die Ballade leben." Dafür sei natürlich die Konzentration enorm wichtig, ergänzte Buttler. "Nur wenn man seine eigene Spannung konstant hochhält, gelingt es, auch die Zuhörer zu fesseln." Ein Vorhaben, das der Gruppe augenscheinlich gut gelang, dabei waren die Vortragenden allesamt Laien, wie Monika Boguslawski betonte: "Die Gruppe ist hervorgegangen aus einer Lektorenschulung, die ich geleitet habe. Niemand der Vorleser ist ein Profi." Trotzdem zog die Gruppe die Zuhörer ganz in ihren Bann, was nicht zuletzt auch an der Auswahl der Balladen lag. Vom eher heiteren Beginn mit einem Stück von Robert Gernhardt bis zu Klassikern wie dem "Knaben im Moor" von Anette von Droste-Hülshoff oder dem "Zauberlehrling" von Goethe, jeder der Zuhörer kam auf seinen Geschmack.

Aber auch die Rezitatoren profitierten von der ausgiebigen Beschäftigung mit dem Stoff und der stetigen Übung im Vortrag. "Das hilft sogar bei Vorträgen oder Präsentationen im Beruf", so Ulrich Xanten. "Und auch in der Kindererziehung hilft das weiter", ergänzte Norbert Buttler schmunzelnd.

• Matthias Düngelhoff

25.09.2007  

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