WAZ Haltern am See vom 15.05.2006

Eine Märchenerzählerin macht Regen


Geschichten am Lagerfeuer beim Meiler in der Haard: Monika Boguslawski zieht alte und junge Zuhörer mit Märchen in ihren Bann. Stimmungsvolle Atmosphäre in der Dämmerung. Regenschauer ist nur eine kurze Episode


"Seht Ihr in meinen leeren Händen goldene Äpfel?" Mit diesem Ritual türkischer Märchenerzähler entführte Monika Boguslawski ihre Zuhöhrer in die geheimnisvolle Welt der Märchen. Die alten Geschichten fesselten vor allem durch den freien Vortrag der Erzählerin.          Foto: WAZ, Christoph Joemann
Flaesheim. Monika Boguslawski ist Märchenerzählerin. Sie liest nicht vor, sie erzählt. Das hat sie gelernt, das kann sie richtig gut. Aber kann sie auch Regen machen?

Am Freitagabend sitzt Monika Boguslawski am Lagerfeuer auf einem Baumstamm, neben dem Kohlenmeiler in der Haard. Rund um das Feuer hocken Kinder und Erwachsene, die der Erzählerin lauschen wollen. Das braucht jedoch ein wenig Vorbereitung, findet Boguslawski, schließlich will sie an diesem Abend "der Fantasie Flügel geben".

Sie steht auf, zeigt ihre Hände und fragt: "Seht ihr in meinen leeren Händen goldene Äpfel?" Mit diesem Einstieg fängt sie ihr Publikum schnell ein. "Das ist ein Ritual alter türkischer Märchenerzähler", erklärt sie. Zum Abschluss davon dreht sie einen getrockneten Kaktusstamm, in dem die Stacheln rascheln. Es klingt wie Regen.

Im ersten Märchen werden die drei Töchter eines Holzhauers an drei Tagen nacheinander in den Wald geschickt, um ihrem Vater sein Mittagessen zu bringen. Der hat, ganz schlau, eine Spur aus Hirse (erster Tag), Linsen (zweiter Tag) und Erbsen (schon klar) gelegt, damit die Töchter zu ihm finden. Märchenkenner ahnen, was passiert: die Vögel des Waldes fressen die Spur auf und die Töchter verlaufen sich im Wald. Alle drei gelangen zu der Hütte eines alten Mannes. Der lädt sie zum Essen und Übernachten ein. Erst die letzte jedoch kümmert sich dort auch um die Tiere des alten Mannes. Das hatten ihre Vorgängerinnen vergessen. Der Lohn: Sie wird am nächsten Morgen in einem Palast wach, aus dem alten Mann ist ein junger Prinz geworden. Die Schwestern aber hat der Prinz im Keller eingeschlossen: Er will sie an einen Köhler (!) verkaufen.

Während des nächsten, russischen Märchens von dem Mädchen Wassilisa und der Hexe Baba Yaga, beginnt es plötzlich zu regnen. Nicht heftig, aber stark genug, um die meisten Zuhörer zum Unterstand fliehen zu lassen. Die anderen jedoch lauschen, Kapuzen oder Jacken auf dem Kopf, bis zum glücklichen Ende des Märchens weiter. Hier ist es übrigens gleich der Zar, den die Heldin dabei ehelichen wird.

Kurz darauf wendet sich ein Junge an Monika Boguslawski: "Du kannst wirklich Regen machen, oder?" Offenbar erinnert er sich an das Einstiegsritual. Die Angesprochene schmunzelt nur. Und nach einigen Minuten Warten hört der Regen auch schon auf , die Baumstämme füllen sich mit Zuhörern für die nächste Geschichte.

Und so nimmt dann auch diese Geschichte am Lagerfeuer ein glückliches Ende.     hul

Monika Boguslawski aus Bottrop ist seit 2001 von der Europäischen Märchengesellschaft als Märchenerzählerin anerkannt. Häufig ist sie zu Gast in Schulen, Kindergärten und Kirchengemeinden. Aber auch in Altenheimen und Erwachsenenkreisen. Dass ihr Angebot auf großes Interesse stößt, zeigt auch ihr Kalender, der schon bis zum Ende des Jahres Termine aufweist. Nachzulesen ist das auch, ganz zeitgemäß, unter www.monika-boguslawski.de     hul

15.05.2006  

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