Ruhr-Nachrichten Gladbeck vom 14.03.2006
 


Märchenabend am Kloster ist nicht nur eine beliebte Veranstaltung bei den kleinen Kirchhellenern - wie das altersgemischte Publikum durchaus unter Beweis stellte. RN-Foto:Dahlhoff

Man nehme einen Suppenstein

Märchenabend am Jugend-Kloster setzte sich mit Lebenssituationen auseinander

Kirchhellen • Dass es das Leben oft hart mit den Menschen meint, das wissen auch die Märchen zu berichten. Aber darin verharren sie nicht, wie der beliebte Märchenabend am Jugend-Kloster wieder einmal verdeutlichte.

Voll von interessierten Zuhörern war das Kaminzimmer, in dem Märchenerzählerin Monika Boguslawski die Leute auf eine Reise in die Welt der Märchen abholte, die beginnend bei den Brüdern Grimm einmal um den Erdball führte. Es war, als beschäftigten die Menschen überall die gleichen oder zumindest ähnliche Sorgen, denn immer ging es um das gesuchte Glück und die Überwindung von verschiedenartiger Pein.

Ganz dem Märchenvortrag hingegeben lauschte das Publikum. Die einen saßen in sich versunken, die anderen starrten auf die Märchenerzählerin, als würde sie die Handlungen nicht nur erzählen, sondern auch noch darstellen. Diesen Eindruck rief Boguslawski hervor, indem sie ihre Stimme nicht nur als Mitteilungsmedium einsetzte, sondern gleichfalls zur verbalen Inszenierung nutzte, so dass das Märchengeschehen vor dem inneren Auge des lauschenden Publikums aufzuziehen schien.

In den Märchen ging es um den Sieg der mitmenschlichen Liebe über unmenschliche Bedrohung. Mit Ideenreichtum und Zusammenhalt besiegten Geschwister eine Hexe, die sich in ihrer Bosheit nur ihre Gier befriedigen wollte. Indem sie sich über alle Regeln hinwegsetzte, missachtete sie auch die Regeln ihrer eigenen Existenz und ertrank selbstvergessen im Wasser.

Ging es in einem chinesischen Märchen darum, wie mit Liebe betrachtet, die Welt ein neues Aussehen bekommt, so stellte ein russisches Märchen vor, dass gute Vorbilder nur mit viel selbstloser Mühe erreicht werden können. Das Märchen vom Glöckchen aus Japan wollte verdeutlichen: Glück wächst, wenn man es teilt.

Aus dem Vagabundenleben berichtete das irische Märchen vom "Suppenstein", mit dem ein ausgehungerter Mann listenreich eine Bäuerin veranlasste, ihm eine sättigende Mahlzeit zu servieren. Augenzwinkernd kam die Lehre daher, dass manche Hoffnungen einen Anstoß benötigen, damit sie in Erfüllung gehen.

Stimmungsvoll ummalt wurden die Textvorträge vom kleinen 'Kaminabendorchester' mit Ramona Bolik an der Harfe und Christian Kallfels auf der Flöte. Pater Andreas Krahnen fasste den Abend musikalisch mit leidenschaftlichem Gesang zur Gitarre ein. •pn

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