WAZ Dorsten vom 01.03.2004
 

Montag, 01. März 2004

Mit richtiger Technik die Zuhörer packen


Atemübungen sind notwendig, damit die angehenden Lesepaten ihren jungen Zuhörern die Geschichten richtig präsentieren können.

Dorsten. Es war einmal ein Land, das erstarrte vor Schreck, als ihm Bildungsnotstand bescheinigt wurde. Vor allem beim Lesen hätten seine Kinder große Probleme, so lauteten die Ergebnisse der Studie.

"Was tun?", fragten sich die Menschen im einstigen Land der Dichter und Denker und grübelten.

Eine Lösung: "unseren Kindern Geschichten und Märchen erzählen." Das Konzept der Lesepatenschaften war geboren.

Und so trafen sich am Samstagnachmittag in der Tagesstätte Joachimstraße zukünftige Lesepaten mit einer Märchenerzählerin, um die Techniken des guten Vorlesens und Geschichten erzählens zu erproben. "Darüber lernen die Kinder zuzuhören und eigene Fantasien zu entwickeln", erklärt die Bottroperin Monika Boguslawski, die seit 2001 bei der Europäischen Märchengesellschaft als Märchenerzählerin anerkannt ist. Die Europäische Märchengesellschaft wurde 1956 von Wissenschaftlern, Künstlern und Märchenliebhabern in Rheine zur Bewahrung der Märchenkultur gegründet. Rund 3000 Mitglieder sind derzeit registriert.

Das Vorlesen fördere die Sprachentwicklung und wecke Interesse fur Bücher, sagt Boguslawski. Eine "korrekte Redensweise" der erwachsenen Geschichtenerzähler sei dabei von großer Bedeutung. "Wenn ich schlampig spreche, übernehmen das die Kinder."

Von Theorie hält die Märchenerzählerin nicht viel. Deswegen geht€s gleich zur Praxis in der Tagesstätte Joachimstraße: Meditation auf der Isomatte zum Einstimmen, gefolgt von Übungen zur Artikulation, Akzentsetzung, Atemtechnik und Körperhaltung. "Man sollte beim Vorlesen nicht auf dem Tisch sitzen und die Beine baumeln lassen", rät die Expertin. Stattdessen aufrecht und aktionsbereit sitzen. Das signalisiere: Ich habe Euch was zu erzählen. Damit werde die Zuhörbereitschaft geweckt. und das sei ja auch das Ziel: "Eine fesselnde Geschichte erzählen, die Bilder rüber bringen und damit das Publikum packen."

"Viele Leute lesen zu schnell vor, leiern den Text runter und bauen keine Pausen ein", sagt die Märchenerzählerin. Das seien die größten Fehlerquellen beim Vorlesen. Gerade Pausen seien aber für die Entfaltung der Bilder im Kopf der Kinder notwendig. Deswegen üben die zukunftigen Lesepaten an diesem Samstagnachmittag Pausen zu machen und das Gehör für Sprechfehler zu schärfen.

Fünfzehn interessierte Dorstener haben sich zusammen gefunden - eine neunfache Großmutter, der Ersteller der Homepage lesen-online.de, Mutter einer Lese-AG. Sie alle wollen trainieren, um in Dorstener Kindergärten und Schulen vorzulesen. Initiator der Lesepatenschaft ist der sozial engagierte Unternehmensberater Horst Grothus, der im vergangenen Jahr als Reaktion auf die PISA-Studie das Projekt ins Leben gerufen hat.
KaS WAZ-Bild:

Gerd Wallhorn

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