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Mein Märchen für den Monat April

"Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit;
wir Kurzsichtigen!
Als ob wir in irgendeinem Lebensalter ohne Märchen und Spiel
Leben möchten"

Friedrich Wilhelm Nietzsche, (1844 - 1900), Philosoph



Der Apfel mit dem kostbaren Kern (aus Indien)

Der Maharadscha von Kaschmir empfing jeden Tag zur festgesetzten Stunde die edlen und weisen Männer seines Landes. Zu einer Zeit erschien auch täglich ein fremder Magier im Palastsaal des fürstlichen Schlosses. Er sprach mit niemandem ein Wort, verbeugte sich tief vor dem Maharadscha und überreichte ihm jedes Mal einen Apfel. Der Maharadscha nahm den Apfel entgegen und reichte ihn achtlos an seinen Wesir weiter, der neben ihm am Thron stand. Der wiederum ließ die Frucht von einem Diener in eine entlegene Kammer werfen. Der Magier entfernte sich jeden Tag ohne ein Zeichen von Enttäuschung oder Ungeduld. Auch äußerte er nie ein Anliegen. Ein ganzes Jahr ging das so.
Da riss sich eines Tages der zahme Affe der Fürstin los, sprang in den Palastsaal, ergriff den Apfel und biss hinein. Als er das tat, sahen alle am Hofe, dass der Apfel als Kern einen kostbaren Edelstein enthielt.
Nun forschte der Maharadscha natürlich nach dem Verbleib der anderen Äpfel. Er fragte seinen Wesir und ließ schleunigst in der abgelegenen Kammer nachschauen. Und tatsächlich fand sich unter den verfaulten Äpfeln ein Haufen wertvoller Edelsteine, deren Anzahl genau der Zahl der Tage eines Jahres entsprach.